Urlaub in der Schweiz

14. August 2016

Eine erstaunlich ergiebige Schwammerlernte im Zirbenland war der Anfang, besser gesagt Neubeginn. Mit der Reise in die Schweiz nach Sevelen, Herbert´s jetzige Lebenswelt, fand dieser seine Fortsetzung. Seit der Indienreise haben wir uns immer wieder aus den Augen, aber nie aus dem Sinn verloren. Die jährlichen Geburtstagsgrüße waren ein sichtbares Zeichen dafür. Manch beherzte Weggefährten suchen sich irgendwann ihre eigenen Wege oder trennen sich in kalter Abneigung für immer. Da war es nun das lang geplante Treffen.

Kaum angekommen gab es die erste Überraschung. Der Fürst von Lichtenstein gibt alljährlich zu seinem Geburtstag um Punkt 22.00 Uhr auf seinem Schloss ein fulminantes Feuerwerk. Bunte Rosetten, feurige Kugeln, ineinander fließender Sternenstaub und leuchtende Glitzerfäden steigen und fallen in den Nachthimmel wie zu Frühzeiten des Universums. Wir sind staunende Betrachter am Balkon des Hauses.

Tags darauf nimmt der Kreativurlaub Fahrt auf. Zweige, Äste und zersägte Stammstücke einer einst mächtigen Fichte sind zu Brennholz aufzuarbeiten. Einen Teil des Astwerks legen wir als Untersatz für ein Hügelbeet zurecht. Mittendrin machen wir zur Erholung einen Ausflug in die Schlucht von Bad Ragaz, wo bereits im Mittelalter Heilsuchende für bis zu zehn Tagen ins 36 Grad warme Wasser abgeseilt wurden. Bis heute ist es ein Geheimnis geblieben, woher die Quelle, die mit 5 – 8 Tausend Liter pro Minute sprudelt, ihren Nachschub bekommt. Wie ein Kamel mit Heilwasser vollgefüllt wandern wir zurück. Der Abtrag es Holzhaufens und der Weiterbau des Hügelbeets warten auf uns. Zur Stärkung bekommen wir von Regula, Herbert´s Frau, Hirschgulasch mit Gemüse und Salat  serviert.

Am Freitag geht die Reise weiter in eine für mich neue und doch irgendwie vertraute Welt: in die Einschicht des südlichen Schwarzwaldes. Hier steht ein Forsthaus mit Kräutergarten, in das Regula viele ihrer Seminargruppen einlädt zum Abschalten, Meditieren, Naturkräfte erspüren und Hexenflug. Rundherum dehnt sich ein Jagdrevier aus, das Herbert betreut. Die weit geschwungenen Hügel und das schwebende Säuseln der Fichten erinnern mich ans Waldviertel meiner Kindheit. Hier kann ich es genießen, damals sah ich darin meist Strenge, Düsternis und Schweigen. Zusammen mit Regula und den beiden Hunden Baron und Lissi wage ich einen Streifzug durchs Dickicht vorbei an verlassenen Biber-Behausungen und Heidelbeerkulturen. Wir begegnen Spuren von Wildschweinen, Spechten und Rehböcken. Ein Wochenende  mit Lesen im Kerzenschein, ohne Strom, Telefon und Internet ist für heutige Begriffe fast schon eine irreale Welt, der man sich da aussetzt.

Auf dem Heimweg machten wir in Schaffhausen Halt, um den Rheinfall zu bestaunen. Die riesige Schar an Schaulustigen war ein leichter Kulturschock zur Schwarzwälder Ruhe, trotzdem war das weiß schäumende Donnern herabstürzender Wassermassen ein beeindruckendes Naturschauspiel. Wieder zurück in Regula´s und Herbert´s Hof galt der erste Weg zu den Tieren: Haus- und Perlhühner, Kanarienvögel und Schildkröten, die sich so gut verkriechen, dass sie oft stundenlang nicht zu finden sind. Bald kommen auch die Pferde aus dem Sommerquartier zurück. Mich zog es gleich zum Hügelbeet, um zu sehen, ob die gesetzten Pflanzen auch gut angewachsen sind. Angenehm müde fiel ich ins Bett.

Am letzten Tag richtete sich unser Augenmerk darauf, Zyklen abzuschließen. Das Hügelbeet mit Rasenmulch abdecken, einen Schutzzaun errichten und schließlich mit einem Glas Proseco auf Regula´s erstes Hügelbeet anzu-stoßen. Dabei leistete uns Regula´s Sohn Fabian mit Frau und Kind und später auch Sohn André und Enkel Rian Gesellschaft. Wie vertraute alte Gefährten tauschten wir noch zu aller Letzt bewährte Rezepte von Waldviertler, Schweizer und keltischen Spezialitäten aus. Damit wissen wir, was beim nächsten Treffen in den Töpfen und Pfannen schmort – vielleicht.

PS: Körperlich bin ich schon da, geistig noch nicht. Es erstaunt mich, wie intensiv diese kurze Zeitspanne von einer Woche nachwirkt. Diese Auszeit von Telefon, Fernsehen und Internet veränderte meinen Blickwinkel, was wichtig ist, ließ mich etwas mehr zu mir selber finden und zeigt mir, welche Flut an Informationen täglich über uns hereinprasselt, die wir kaum verarbeiten können und deshalb unsere Sinne abstumpfen. Eine bereichernde Erfahrung.